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Natursteine in Altbauten erhalten? Fachmännische Einblicke in ein gefragtes Know-how.

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Viele ältere Bauten in Zürich enthalten Natursteine – zum Beispiel Kirchen, alte Herrenhäuser und Firmensitze. Sie stecken in den Sockeln, den Fassaden oder in den Böden. Damit diese erhalten bleiben, braucht es erfahrene Fachleute wie Walter Petermann und André Bolliger. Die beiden führen erfolgreiche Kleinbetriebe für Naturstein- und Keramikarbeiten. Seit 2019 gehören sie zu Altbauweise Zürich und bereichern das umfassende Angebot mit ihrem Know-how. André Bolliger, gelernter Plattenleger, und Walter Petermann, gelernter Steinhauer, zeigen auf, was in ihrem Beruf unterschätzt wird, überrascht und fasziniert. 

Natursteine bei Altbauten – wo kommen sie vor und welche Steine gehören dazu?

Walter: Bei einem Spaziergang an der Bahnhofstrasse oder im Niederdorf kann man gut erkennen, wie viele Kirchen, Altbauten und Firmensitze in der Stadt Zürich Natursteine enthalten. Die Sockel von Kirchen bestehen oft aus Hartgestein wie Kalkstein oder Granit. Die Fassaden enthalten auch Sandstein, das eigentlich zu den Weichgesteinen gehört. Auch Marmor und zahlreiche andere Gesteinsartengehören werden in Zürich eingesetzt. Da ich schon so lange in diesem Bereich tätig bin, gibt es eine ganze Anzahl Gebäude, bei denen ich mitgebaut habe.

 

André: Natursteine sind auch oft in Böden enthalten, zum Beispiel in Form von alten Tonplatten. Die Stadt Zürich hat ein eigenes Lager, zum Teil sind die Platten über 200 Jahre alt. Um solche Böden zu erhalten, muss man die Platten je nach Zustand putzen, zuschneiden, wieder einbauen und langfristig schützen. Wir imprägnieren die Böden deshalb mit einem alten, bewährten Mittel; der Schmierseife. 

Rindermarkt – Wohnungen mit Natursteinböden: aufgefrischt, ersetzt, imprägniert.
Rindermarkt – Wohnungen mit Natursteinböden: aufgefrischt, ersetzt, imprägniert.

Wir benutzen Savon de Marseille zum Imprägnieren der alten Tonböden. Das natürliche Mittel verleiht nicht nur zuverlässigen Schutz, sondern auch eine schöne Patina.


Wenn wir Altbauten sanieren, versuchen wir immer, wenn möglich, auf natürliche Materialien zurückzugreifen. So benutzen wir – im Gegensatz zu den modernen Kunstklebestoffen – Materialien wie Sand, Zement oder Kalk. Diese Baustoffe wurden schon damals verwendet, um Ton-, Terrazzoplatten sowie Natursteine zu verlegen und zu verfugen.

Im Zeitalter der chemisch-technischen Produkte setzen wir auf altbewährte und natürliche Methoden. Das ist effektiv und zukunftsfähig. 

Wie kann man beschädigten Naturstein reparieren oder ersetzen?

Walter: Der erste Schritt ist immer die Bestandesaufnahme und Beratung. Um welchen Stein handelt es sich? Wie kann man ihn sanieren oder gegebenenfalls ersetzen? Um defekten Sandstein zu erhalten, wird er mit der Aufmodelliertechnik saniert. Wo der Sandstein zu stark verwittert ist, wird er von Fuge zu Fuge oder im Teilersatz ersetzt. Gibt es Ersatzmaterial und falls ja, mit welchen visuellen Abweichungen? Muschelkalk kommt oft aus der Region um Estavayer oder aus Mägenwil, Sandstein wird in Bolligen und in Eschenbach abgebaut. Dort wird er in Höhlen abgebaut, wie der Marmor in den berühmten Steinbrüchen im italienischen Carrara. Es ist oft nicht einfach, Nachschub oder Ersatz zu finden – die Herausforderung haben wir bei Natursteinen schon seit jeher.
 

André: Ein wichtiger Teil ist auch die Abklärung auf Schadstoffe. Der Stein kann nur bearbeitet werden, wenn er schadstofffrei ist. 

Den Leuten ist oftmals nicht bewusst, dass Asbest auch in der Natur vorkommt. Natursteine, Serpentinit oder Specksteine (grünliche Farbgebung) enthalten Asbest.


In der Schweiz gilt hinsichtlich des Asbests eine Nulltoleranz-Politik. Um sicher zu sein, schicken wir Gesteinsproben ins Labor. Falls diese positiv ausfallen, kommt meist eine Spezialfirma zum Einsatz, die sich dem Rückbau annimmt. Dieser Prozess wird oft sehr aufwändig und kostspielig. Unser Job ist es, einen Ersatz zu liefern, der unbelastet ist. Um Ersatz zu finden, kommen manchmal auch Kunststeine mit dem geeigneten Granulat zum Zug. Diese werden auch bei Altbauten eingesetzt, zum Beispiel in Form von Terrazzo-Böden.
 

Walter: Es gibt Bauleiter, die manchmal lieber nicht hören möchten, dass Schadstoffe involviert sind. Da steigen die Kosten – und die Angebote sind dann gar nicht vergleichbar. Transparenz und Ehrlichkeit sind aber ein Muss, um eine vertrauensvolle Basis für ein Projekt zu legen. 
 

André: Das gilt für die Zusammenarbeit mit den Kunden generell: Wir weisen explizit auf mögliche Abweichungen hin. Der Kunde muss sorgfältig und transparent informiert werden.

Eine auswählte Platte kann leicht anders aussehen als das Gros, das danach bestellt und eingesetzt wird. Oder der Ersatz-Stein ist vielleicht wilder gemustert – wie das in der Natur eben ist!

Wie geht ihr mit dem Thema Denkmalschutz um?

Walter: Der Erhalt der bestehenden Substanz ist auch unser Ziel. Kommen wir mit einem sauberen, durchdachten Konzept, läuft der Prozess mit der Denkmalpflege sehr kooperativ und konstruktiv ab.  

Balkonsanierung an einem denkmalgeschützten Mehrfamilienhaus im Niederdorf.
Balkonsanierung an einem denkmalgeschützten Mehrfamilienhaus im Niederdorf.

Wie haben sich euer Beruf und die Erwartungen der Kundschaft verändert im Laufe der Zeit?

Walter: Das Material hat sich laufend verbessert, gerade auch im Bereich der Klebstoffe und der Feinsteinprodukte. Parallel dazu sind auch die Ansprüche und Anforderungen von Seiten der Kundschaft gestiegen. Das ist eigentlich eine erfreuliche Entwicklung – wenn da nicht der Mangel an guten Fachleuten wäre. Wir haben zu wenig Nachwuchs.

 

André: Wir müssen unseren Beruf attraktiver präsentieren, auch gegenüber von jungen Frauen. Erst seit zwei Jahren arbeitet eine Frau in meinem Betrieb. Sie ist nun im dritten Lehrjahr. Ich war am Anfang skeptisch, aber schon bald zeigte sich, dass sie so gut ist wie noch kein Lernender vor ihr. Wenn sie Unterstützung braucht, dann höchstens, um schwere Steine und Platten zu verschieben. Ansonsten arbeitet sie zielstrebiger, interessierter, fokussierter und sorgfältiger als die meisten jungen Männer. 

Frauen auf dem Bau? Das weibliche Geschlecht wurde von uns Männern lange Zeit unterschätzt. Heute beweisen sie uns eindrücklich, was sie auf dem Kasten haben.


Walter: Der Beruf auf dem Bau ist manchmal hart, schmutzig und anstrengend. Aber immer auch schön, denn man schafft ein handfestes Ergebnis, das bleibt und auf das man stolz sein kann. Die Nachwuchsförderung, gerade auch bei Frauen, ist eine grosse Chance für unser Gewerk. 

Welche Projekte bleiben euch besonders in Erinnerung?

André: Der Hauptsitz der Zürich Versicherung am Mythenquai war ein schönes Projekt. Das Gebäude besteht aus einem Alt- und einem Neubauteil. Im letzteren haben wir Natursteine für Böden und Treppen eingesetzt, die im Baselbiet abgebaut wurden. Auch die städtischen Wohnungen am Rindermarkt im Niederdorf bleiben mir in Erinnerung. Die alten Tonböden haben wir aufgefrischt, ersetzt und imprägniert. 

 

Walter: In meiner langjährigen Tätigkeit als Steinhauer durfte ich viele wunderschöne, zum Teil denkmalgeschützte, Natursteinbauten in Zürich sanieren. Dazu gehören bekannte Objekte wie zum Beispiel der ehemalige Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz, wo wir die Sandsteinfassade und die Balkonplatten saniert haben. Auch beim Landesmuseum, dem Hauptbahnhof oder dem Grieder Haus am Paradeplatz habe ich gearbeitet – das Grieder Haus ist übrigens ganz aus Muschelkalk. Dass ich beitragen konnte, diese ehrwürdigen Bauten zu erhalten, freut mich sehr.

Neugestaltung Mensa und Bar im Gebäude der Zürich Versicherung.
Neugestaltung Mensa und Bar im Gebäude der Zürich Versicherung.
Valser Quarzit im Eingang eines Geschäftshauses in Dübendorf.
Valser Quarzit im Eingang eines Geschäftshauses in Dübendorf.

Möchten Sie Objekte mit Natursteinen oder Keramikplatten sanieren?

Unsere Spezialisten bieten Ihnen umfassende Unterstützung aus einer Hand: von der Bestandesaufnahme und Beratung über die Materialwahl und Umsetzung – Auffrischen, Sanieren, Ergänzen, Aus- und Wiedereinbau. Unsere Kontaktangaben finden Sie hier. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.


Objektbilder André Bolliger und Walter Petermann
Porträt
und Text: Claudia Kaufmann

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Rindermarkt
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Valser Quarzit im Eingangsbereich eines Geschäftshauses
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