Seit bald 20 Jahren lebt die Bauherrschaft im Weiler Etzliberg, der zu Thalwil gehört. Das Paar bewohnt ein saniertes Flarzhaus: ein bäuerliches Reihenhaus, das mutmasslich auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Nun möchten sie auch das angrenzende Haus bewohnbar machen. Um die Fassade nach historischem Vorbild wiederherzustellen, braucht es gewerkübergreifende und auch mal unkonventionelle Lösungen – immer in Abstimmung mit der Denkmalpflege.
Das von der Gemeinde Thalwil in Auftrag gegebene Gutachten stuft das Haus als «Zeitzeuge mit wichtiger lokal- und baugeschichtlicher Bedeutung» ein. Die Bauherrschaft möchte den nachfolgenden Generationen die lokale Baugeschichte möglichst originalgetreu zugänglich machen. Mit dieser Ambition und einem hohen Bewusstsein für historische Bauten, lässt sie das angrenzende Flarzhaus sanieren. Dessen Zustand lag irgendwo zwischen historisch wertvoll und marode. Was kann mit alten Techniken erhalten und ertüchtig werden? Und wo muss man gezwungenermassen auf Kompromisse ausweichen?

Bevor die Arbeiten an der Fassade starten, wird sie von Altlasten befreit. Mit grosser Vorsicht entfernen Fachleute die Eternitplatten. Der darunterliegende, rund 100-jährige Kalkputz wird, in Abstimmung mit der Denkmalpflege, ebenfalls abgebaut. Erst da kommt der Zustand des Fachwerks zum Vorschein. Vor allem die Giebel- bzw. Ostseite der Fassade ist in schlechtem Zustand.


Es brauchte diverse Ertüchtigungsmassnahmen, damit das Gebäude auch aus statischer Sicht den Sicherheitsbestimmungen entspricht.
— Sandro Tonini-Ruggli, Bauingenieur
Ziel ist es, möglichst viel des ursprünglichen Materials zu erhalten. So wird das Holz nur punktuell und, wenn immer möglich, mit gesundem Altholz aus dem Haus ersetzt.
Die grösste Herausforderung im Projekt bildet die tragende Schwelle zwischen Steinsockel und dem Riegelwerk der Fassade. Jahrelange Verwitterung und Insektenbefall hatten den Holzbalken zerfressen und quasi aufgelöst. Der Aufwand, das Holz in einem Stück zu ersetzen, wäre unverhältnismässig gewesen. So schlagen die erfahrenen Fachleute eine innovative Lösung vor: Zimmermann und Baumeister arbeiten Hand in Hand, tragen das beschädigte Holz auf der Vorderseite ab und giessen es mit Beton auf. Auf diese Weise können sie die Schwelle etappenweise ersetzen. Damit man die Betonschwelle nicht erkennt, mauern sie den Sockel unter der Schwelle 30 cm hoch.


Beim Bewahren von historischem Bestand braucht es neben der Erfahrung mit alten Handwerkstechniken auch pragmatische und innovative Lösungen – gerade auch in Anbetracht der Kosten. In Absprache mit der Denkmalpflege gehen wir auch mal unkonventionelle Wege.
— Thomas Beer, Leitung Aussenputze
Auch das Vorgehen beim Riegelbau setzt viel Erfahrung voraus: Erst entfernen die Fachleute das Mauerwerk links und rechts des Balkens, dann ersetzen sie diesen und mauern das Gefach wieder mit dem zuvor entfernten Gestein auf. Die Fassade wird mit Trass Kalkmörtel aufgemauert, gestopft und mit Putzschichten auf Kalk-Basis fertiggestellt. Genau nach historischem Vorbild.
Die Bruchsteinmauer des Steinsockels legen die Fachleute von den diversen, zum Teil zementhaltigen Verputzen frei, setzen sie wieder in Stand und stopfen die Fugen.


Beim Umbau ist es gelungen, Ursprüngliches zu ertüchtigen und wieder sichtbar zu machen. So erstrahlt die Fassade heute mit dem authentischen Riegelwerk und zeigt das Sockelgeschoss als Bruchsteinmauerwerk. Gemeinsam wurde ein Kompromiss gefunden, der sowohl statisch, denkmalpflegerisch, finanziell und optisch überzeugt. Die enge, gewerkübergreifende Zusammenarbeit der Fachleute bildet den Schlüssel zum Erfolg.


In gemeinsamer Arbeit ist aus einem maroden, verbauten Haus eine optische Augenweide im Originalzustand geworden.
— Ben Bither, Leitung Zimmermannarbeiten
Originalgetreue Ertüchtigung und Wiederherstellung eines Flarzhauses
Sanierung der tragenden, aber maroden Holzschwelle zwischen Steinsockel und Riegelwerk wird zur Herausforderung
Gewerkübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht unkonventionelle, erfolgreiche Lösung
| Kennzahlen | |
|---|---|
| Zeitraum | Februar 2024 bis April 2025 |
| Baukosten | rund CHF 230'000.– |
| Bauherrschaft | Janine Rupp Renfer und Roberto Renfer |
| Mitgliederfirmen | |
|---|---|
| Baumeister / Aussenputze | Meier-Ehrensperger AG, Zürich |
| Zimmermann | Handwerkskollektiv, Zürich |
| Bauingenieur | Ruggli & Partner Bauingenieure AG, Zürich |
Fotos Objekt: Roberto Renfer Text: Claudia Kaufmann


















Hier gehts zum nächsten Bericht.
Die Altbauweise Schweiz ist in Regionalgruppen aufgeteilt. Diese kennen die örtlichen Gegebenheiten und wissen, wen man wo wofür fragen muss. Daher, suchen Sie Ihre Ansprechperson in der Nähe Ihrer Liegenschaft.