Die reformierte Kirche St. Peter gehört zu den identitätsstiftenden Orten Zürichs. Sie steht mitten in der Altstadt, umringt von einem Hotel, Geschäften und Wohnhäusern. Für kirchliche und kirchennahe Anlässe wird sie gerne und häufig gebucht. Damit diese in Zukunft noch flexibler und einfacher umgesetzt werden können, wird die Kirche während 14 Monaten saniert – häufig im Spannungsfeld zwischen geltenden Normen, Denkmalschutz, Bauherren und Nutzeransprüchen.
Die Kirche St. Peter zählt zu den meistgebuchten Kirchen in Zürich. Die Umsetzung der vielfältigen Anlässe stösst zum Teil an Grenzen. Dies, weil die Infrastruktur und die bauliche Gestaltung einige Hürden beinhalten – sowohl für die Mitarbeitenden als auch für die Besuchenden. Mit Blick auf deren Bedürfnisse verfolgt die Sanierung mehrere Ziele: Eine moderne und zuverlässige Haustechnik, die beispielsweise die Steuerung der Luftqualität optimiert. Die sichere und flexible Nutzung der Empore und der Toiletten, die allen Besuchenden barrierefrei zugänglich sein soll. Und eine sorgfältige Ausbesserung der baulichen Schäden und Mängel, die sich seit der letzten Renovation in den 70er Jahren abzeichnen.

Eine so häufig gebuchte Kirche kann nicht im Betrieb saniert werden. Nach einer umfassenden Zustandsanalyse wird beschlossen, mit der Schadstoffsanierung zu starten. Während vier Monaten werden insbesondere die Chorstühle von den asbesthaltigen Faserplatten befreit. Diese wurden in den 70er Jahren als brandschutztechnische Massnahme angebracht. Danach öffnet die Kirche nochmals zwei Monate lang, um die geplanten Weihnachtsanlässe durchzuführen. Die eigentliche Gebäudesanierung startet ab Januar 2025. Damit die Kirche ab 1. November wieder für Anlässe buchbar ist, muss diese Terminvorgabe unter allen Umständen eingehalten werden.

Die Fläche der Empore ist vergleichsweise gross, aber durch viele Stufen unterbrochen. Der Umbau zu einer durchgehenden Fläche ermöglicht eine flexible Bestuhlung und stolperfreien Zugang. Um verschiedene Nutzungsszenarien möglich zu machen – Konzertbestuhlung, Kirchen-Café, Garderobe für grössere Chöre/Orchester oder Ausstellungen – wird neben der Brüstung auch die Möblierung neu gedacht. Es entstehen eine Küchenzeile, Möbel für Mäntel und Noten sowie ein neues Beleuchtungssystem. Ein Treppenlift gewährleistet neu die barrierefreie Erreichbarkeit der Empore und der Toiletten im Untergeschoss. Die optimierte Hebebühne in der Küche erleichtert den sicheren Transport von Möbeln und Speisen.


Es ist ein Privileg, ein so traditionsreiches Objekt unter Denkmalschutz zu sanieren. Da nehmen wir auch gerne die Herausforderung an, die vielen involvierten Stellen gut einzubinden und abzuholen.
— Patrick Schrepfer, Architekt
Anforderungen an Nachhaltigkeit und Brandschutz sind nur bedingt anwendbar. Beim Thema Rauchabzug werden mit Denkmalpflege, Feuerpolizei und Stadtvertretern die Grenzen ausgelotet. Letztlich installiert man zwei statt einer Klappe dezent im Betonsturz, ohne die historische Substanz zu beschädigen.
Die ideale Temperatur in einer Kirche orientiert sich an der Orgel und beträgt rund 17 bis 18 Grad. Um grössere Temperaturschwankungen zu vermeiden, muss das Auskühlen des Kirchenraums reguliert werden. So wird auf der Gewölbedecke eine Mineralwolldämmung verlegt – deren Effekt ist vergleichbar mit dem Tragen einer Mütze im Winter.

Bei der Eröffnung wurden wir manchmal gefragt, was wir eigentlich gemacht hätten – man sehe ja gar nichts. Bei einem denkmalgeschützten Objekt ist das eines der grössten Komplimente.
— Patrick Schrepfer, Architekt
Die Architekten sind bereits bei der Auswahl selektiv vorgegangen. Nicht nur der Preis, auch die Referenzen werden stark gewichtet. Das Verfahren ist zeitaufwändig, garantiert aber eine hohe Qualität der Handwerker und der Zusammenarbeit. Der Druck der Eröffnung hilft, dass die Unternehmen konstruktiv nach gemeinsamen Lösungen suchen. Die Planer achten auch darauf, dass keine Eigendynamiken entstehen, z.B. zwischen dem anwesenden Sigrist-Team und den einzelnen Unternehmen. Der Blick auf das Ganze stellt sicher, dass alle am selben Strick ziehen.

Die Architekten haben schon einige Kirchen saniert. Bei diesem Objekt ist das Interesse der Öffentlichkeit aber besonders gross. Da Echo spiegelt sich nicht nur in den Medien und den rund 150 Teilnehmenden an der Führung. Die Aufmerksamkeit ist schon zu Beginn hoch: die Inputs von einer Veranstaltung mit Anwohnenden führen zur Umgestaltung der Baustelle – damit die Kirche buchstäblich im Dorf bleibt.


Erfolgreiche Zusammenarbeit mit komplexer Anzahl von Anspruchsgruppen und Vertretenden: Bauherrschaft, Nutzer, Kirchenkreis 1, Denkmalpflege, Feuerpolizei, Stadt und Kanton, usw.
Flexible Nutzungsszenarien machen die Räume zugänglicher und sicherer für Besuchende und Mitarbeitende
Auch in historischen Gebäuden sind pragmatische Lösungen möglich, z.B. in Form eines Treppenlifts
| Kennzahlen | |
|---|---|
| Zeitraum | 14 Monate im Zeitraum von Juli 2024 bis Oktober 2025 |
| Baukosten | rund CHF 6'860'000.– |
| Bauherrschaft | Evangelisch-reformierte Kirche Zürich, vertreten durch Caroline Gürber |
| Mitgliederfirmen | |
|---|---|
| Architekt | Schäublin Architekten AG, Zürich |
| Sanitär und Heizung | Sigrist + Partner Sanitär und Wärmetechnik AG, Zürich |
| Zimmerei | Zimmereigenossenschaft Zürich |
| Spengler und Steildach | H. Kreiner AG, Zürich |
| Schreiner | R. Brunner AG, Dällikon |
| Schreiner | Luchsinger AG, Aadorf |
| Metallbauarbeiten | Tangemann Metallbau AG, Zürich |
| Metallbauarbeiten | Keller Metallbautechnik AG, Samstagern |
| Malerarbeiten | Christian Schmidt Malermeister AG, Zürich |
| Kanaltechnik | Franz Pfister AG, Rümlang |
| Gebäudereinigung | akoclean, Fahrweid |
Fotos Begehung: Mischa Schlegel, Fotos Objekt: Zeljko Gataric, Text: Claudia Kaufmann
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